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Ich nehme kein Blatt vor die Augen!

von Stephanie Schuchmann, erste Fassung erschienen in UK 3/2008

“wenn ich mich morgens in den Rolli setzen lasse und wenn Tobii hochfährt, geht bei mir in meinem Gesicht die Sonne auf!”

Stephanie Schuchmann
Powerfrau mit Augenmaß: Stephanie Schuchmann

Als ich 2006 bei einer internationalen Messe einen Augencomputer gesehen habe, dachte ich, das ist meine Chance endlich schnell und präzise sprechen zu können. Wieder eine Bekannte hat mich auf den Messtand aufmerksam gemacht. Ich war nicht mehr weg zu kriegen von dem Stand! Die anderen Besucher wurden schon ungehalten, weil ich den Augencomputer die ganze Zeit besetzt hatte! Am Ende der Messe war es klar: ich brauche einen Augencomputer, weil ich eine Powerfrau mit einer athetotischen Tetraspastik bin.

Alles was ich mache, tue ich mit meinen Augen! Das Sprechen gebe ich durch große Buchstaben, die ich mit meinen Augen in die Luft schreibe, meinen Assistenten und Freunde zu verstehen. Ich nehme kein Blatt vor die Augen!!!!

Ich habe seit 11 Jahren einen Delta-Talker: Den Delta-Talker bediente ich mit einem Schalter. (…) Um einen Schalter und ein Scanning mit 128 Tasten zu bedienen, so wie bei dem Delta-Talker, brauche ich meine volle Körperkontrolle. Diese Kontrolle habe ich jedoch nur mit meinen Augen. Der Augencomputer funktioniert nur mit den Augen. Mehrere Infrarote sind oben und unten im Bildschirm angebracht. Sie tasten ab, wo meine Augen auf einer eingeblendeten Tastatur hingucken. Um eine bestimmte Taste zu tippen, muss ich nur ein paar Sekunden auf die Taste gucken. Das geht ohne Spastik leicht für mich. Durch meinen Augencomputer habe ich meine Intimsphäre kennen gelernt! Ich kann alle körperlichen Sachen alleine durch meine Bekannten und Assistenten einstellen.

Was ich außerdem noch mache sind Beratungen, Seminare geben, Messen besuchen und meine Lebenserfahrungen den Eltern nicht lautsprechender Kinder zur Verfügung zu stellen. Ich habe seit Neustem einen Freund in Berlin, den besuche ich ganz alleine mit dem Zug. Naja, mit dem Delta-Talker ist das gewagt, weil er so leise und schwer verständlich ist und es sehr lange dauert. In Berlin hatte ich eine Traube von Bahnhofsmissionsleuten hinter mir. Dabei hatte ich mindestens zehn Mal gesagt, dass ich “keine Hilfe” brauche. Das “keine” haben sie nicht gehört! Anstatt mich in Ruhe ziehen zu lassen, kamen immer mehr. Ich habe den Delta-Talker ausgemacht, die Räder in die Hand genommen und bin raus. Mein Freund kam eine halbe Stunde zu spät, dann kam er aber.

Das wäre einfacher gewesen, wenn ich einfach nur den Augencomputer gehabt hätte. Dann könnte ich im Fahren laut sprechen. Den Freund gibt es nicht mehr, aber die Erfahrung hat mich viel weiter gebracht. Mein Freund hat mir gezeigt, dass ich meine Behinderung ruhig ignorieren kann! Er war das Beste, was mir passieren konnte.



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