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„Chronisch akademisch“

„Theoretische und mathematische Physik?“ Ungläubiges Staunen und Ratlosigkeit auf der einen, Lachen auf der anderen Seite: Aaron Schaal amüsiert sich über die Fragezeichen in den Gesichtern seiner Besucher, nachdem er über die Sprachausgabe seines Computers erzählt hat, was er im Master studiert. „Ja, hier in München an der Uni. Und außerdem mache ich noch Mathematik und Informatik an der Fernuni.“ Aha. Das Interview-Team ist schwer beeindruckt – und der solarbetriebene Einstein auf dem Küchenregal tippt sich unentwegt an den Kopf bei so viel geballtem Unwissen.

Einstein hat alles im Blick.

Aaron ist 24 Jahre alt und wohnt in einer schönen Wohnung mit Garten, überall sind Bücher, eine bunte Filmsammlung und Elefanten in allen Größen und Formen zu sehen. Unterstützung im Alltag bekommt er von einem Assistenten, ansonsten regelt er das meiste mit seinem Computer: „Ich organisiere alles selber.“ Er bedient den Computer per Augensteuerung, mit einem PCEye Go, das am Monitor befestigt ist, sowie zum Scrollen zwei Tasten, die über den Tastenadapter „KIM“ mit dem PC verbunden sind.
Aaron und Kerstin Ruf-Reich von REHAVISTA

Der Bildschirm ist gekippt, sodass er die verschiedenen Anwendungen bequem aus der Seitenlage ansteuern kann. Über den Communicator teilt er sich mit, wenn er in der Wohnung ist. Ansonsten hat er noch ein I-12 mit Augensteuerung und wenn es ganz schnell gehen soll, kommuniziert er mit der Buchstabentafel, die er zusammen mit seiner Mutter entwickelt hat. Das ist allerdings für Fortgeschrittene: Buchstaben, Zahlen und – natürlich – mathematische Zeichen stehen in verschiedenen Farben auf der durchsichtigen Plexiglas-Tafel. Sein Gegenüber erkennt durch Aarons Blick, was dieser auswählt und setzt Stück für Stück die Aussage zusammen. Über bunte Punkte an der Seite kann er die Ebenen wechseln, wenn er z. B. auf den orangefarbenen Punkt schaut, geht er von den Buchstaben zu den mathematischen Zeichen und das Gegenüber muss entsprechend lesen. Von außen hat das Ganze fast etwas Magisches.

Ein Herz und eine Seele: Aaron und sein Computer

Und weil das Studium von drei Fächern noch nicht auslastend genug ist, baut Aaron gerade ein Netzwerk für WissenschaftlerInnen aller Fachrichtungen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen auf: „Chronisch akademisch“. So sollen Austausch und Vernetzung ermöglicht und intensiviert werden. Sein nächstes großes Ziel nach dem Master ist eine Doktorarbeit, am liebsten auch an der Uni in München. Außerdem engagiert sich Aaron auch sozial: Er ist der zweite Vorsitzende von „Bildung für Haiti e.V.“. So heißt es auf der Homepage: „Aufgrund seiner eigenen Biographie hat Aaron erfahren, dass eine fundierte Schulbildung persönliche Freiheit bedeutet, die jedem Menschen gewährt werden sollte.“ – Denn: Nicht nur Kommunikation, auch Bildung ist ein Menschenrecht.



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