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Leonies Sprachrohr

Quantensprünge in der Entwicklung einer 5-Jährigen
von Sandra Schöppe

Leonie im Freien
Leonie: Endlich fröhlich und unbeschwert

Leonie hat von Geburt an eine Entwicklungsverzögerung unbekannter Genese. Ihre Meilensteine der Entwicklung sind stark verschoben. So hat sie z.B. erst mit 11 Monaten angefangen zu krabbeln, mit 2 folgten die ersten Gehversuche. Schwerpunkt heute ist eine starke Sprachentwicklungsverzögerung bzw. -störung, d.h. sie kann nicht sprechen, wohl aber alles verstehen. Bisher war Leonie nicht in der Lage, ihre Bedürfnisse adäquat zu äußern. Täglich sich wiederholende Alltagssituationen konnte sie zwar in Ansätzen durch Gebärden ausdrücken, darüber hinausgehende differenziertere Äußerungen zur Kontaktaufnahme, Kommunikation und Erweiterung ihres Wissens waren nicht möglich.

Da Leonies Sprachverständnis und der kognitive Bereich gut entwickelt sind, beobachteten wir aufgrund der fehlenden verbalen Möglichkeiten, zunehmend Verhaltensauffälligkeiten, d.h. sie kam an einen Punkt, an dem ihre kognitiven Fähigkeiten weit aus höher waren, als dass Sie das expressiv zum Ausdruck bringen konnte. Wenn sie sich einfach nicht mehr verstanden fühlte oder wenn Sie Dinge und vor allem sich selbst mitteilen wollte, aber nicht konnte. Das äußerte sich z.B. in starken Stimmungsschwankungen, einerseits traurig und unglücklich über das eigene Unvermögen und das der anderen, resigniert über das Problem sich nicht artikulieren zu können, aber auch genervt und unzufrieden mit sich selbst, ein ausgeprägtes Trotzverhalten und stereotype Handlungsabläufe bis hin zu starken Wutausbrüchen. So haben wir uns als Eltern entschlossen, in Abstimmung und Absprache mit ihrem Kindergarten und ihren Therapeuten dort (Logopädin und Physiotherapeutin) sowie einem Ergotherapeuten von REHAVISTA, für Leonie eine geeignete Form der unterstützten Kommunikation zu finden, so dass sie sich noch besser mitteilen kann.

Leonie entspannt
Entspannt zurücklehnen: "Ich werde verstanden!"

So hat Leonie vor 9 Monaten eine Kommunikationshilfe bekommen: Eine DynaVox MT4. Die Krankenkasse hat unglaublich schnell reagiert, wobei Leonies Kinderärztin sich auch sehr hierfür eingesetzt hat. Alle waren optimistisch, aber auch skeptisch. Auch und vor allem wir, ob das wirklich der richtige Weg für Leonie sei. Ob sie so überhaupt noch “Sprache” lernen kann oder wird oder, ob sie sich komplett auf das Gerät einstellt und verlässt. Viele haben auch gesagt es sei zu früh, sie sei noch sehr klein bzw. jung.

Heute ist Leonie 5 Jahre alt und ich kann nur sagen: es war in jedem Fall die richtige Entscheidung und der richtige Weg. Sie ist – vom ersten Tag mit dem Gerät an – wesentlich ausgeglichener geworden. Allein die Möglichkeit am Anfang zu sagen: Ich heiße Leonie, ich wohne da und da, ich bin 5 Jahre alt, ich gehe in den Kindergarten und….und…und… brachte ihr Lächeln, ihre kindliche Fröhlichkeit und Unbeschwertheit in ihr Gesicht und in ihr Leben zurück. Der Stolz, allein die Möglichkeit zu haben, sich endlich für andere verständlich ausdrücken und mitteilen zu können, war das Größte für sie. Sicherlich ist dies mit einem hohen Maß an Verantwortung auch hauptsächlich für uns Eltern gebunden. Denn wir programmieren und bearbeiten den Sprachcomputer für sie. Das heißt, wir speisen ihn mit Daten und Dingen, von denen wir meinen, dass Leonie sie erzählen möchte. “Das und das” ist z.B. jetzt wichtig für sie. Solange sie noch keine Buchstaben kennt und auch nicht schreiben kann, muss das so sein. Aber es klappt ganz gut und mittlerweile kennt sie sich auf den unterschiedlichen Ebenen besser aus als wir.

Leonie untersucht Ihr Kommunikationsgerät DynaVox MT4
Kleine Expertin: Leonie findet sich auf den Ebenen bestens zurecht.

Sie hat ein gutes Gedächtnis und kann sich daher Dinge unheimlich präzise merken. Mit der Kommunikationshilfe kann sie sich einfach deutlich besser verständlich machen, kann Fragen stellen, bzw. sie auch beantworten und gezielter Wünsche äußern (z.B. bringe mir vom Einkaufen ein Überraschungsei mit). Sie kann einfach durch Bedienen der Tastatur mehrgliedrige Sätze darstellen. Sie kann Orte zuordnen, “mit”, “und”, “oder” unterscheiden. Leonie kann Pläne machen, z.B. “Wann gehe ich wieder in den Kindergarten?” oder “Ich möchte mal wieder mit Opa ins Schwimmbad gehen.”, “Ich möchte mit Papa zum Bäcker fahren, Brötchen holen!”, “Ich möchte spielen mit…”, “Darf ich Fersehen gucken?” usw.

Wenn der Akku des Gerätes leerläuft erkennt sie es und teilt mit: “Bitte bei meiner Kommunikationshilfe den Akku aufladen!” Dazu muss sie mehrere Tasten in Sinnzusammenhang auf unterschiedlichen Ebenen drücken, d.h. das Kind erlernt mit Hilfe des Gerätes “Sprache” und sich selbst zu artikulieren. Sie macht aber hierdurch auch rasante Fortschritte in Ihrer Persönlichkeitsentwicklung und lernt, nicht nur zu agieren, sondern im sozialen Raum zu kommunizieren.

Wir versuchen das Gerät ständig Leonies Entwicklungsfortschritten anzupassen und das Gerät wird daher nicht als Spielzeug, sondern zielorientiert in Hinblick auf Leonies Kommunikationsfähigkeit eingesetzt. Es ist für Leonie einfach überlebensnotwendig. Noch ein Beispiel: Leonie hat sich im Kindergarten den Fuß verstaucht und spontan und selbstständig mitgeteilt: “Achtung, dies ist ein Notfall, ich brauche Hilfe.” Sie nimmt das Gerät daher auch mit in den Kindergarten.

Leonie mit Zeitschrift und Kommunikationsgerät DynaVox MT4
Bildbetrachtungen: Leonie kann erzählen, was sie sieht.

Innerhalb der Therapiesituation dort sind z.B. kleine Frage-Antwort-Spiele bei einer Bildbetrachtung mit Alltagssituationen für Leonie mit Leichtigkeit abrufbar z.B.: Wo liest Dein Papa seine Zeitung? Antwort: im Wohnzimmer usw. Zunehmend scheint dieses Gerät ein Bestandteil ihrer selbst zu werden, sie trägt es stolz und selbstbewusst bei sich, wohin sie auch geht und genauso selbstbewusst geht sie mit der Anwendung um, die sie sich in immer weiterem Ausmaß erschließt. Erfreulicherweise zeigt sich mit dem zunehmenden Einsatz ihres Gerätes, mit dem sie sich endlich (dann, wann sie es möchte) verständlich machen kann, eine Minderung ihres Kommunikationsdruckes und dadurch auch eine deutliche Minderung ihrer Verhaltensprobleme. Darüber hinaus beginnt sie vermehrt zu lautieren und in der Übungssituation und auch Daheim Einzellaute zu erarbeiten (z.B. sagt sie jetzt: Mama und Papa sowie Ja und Nein – klar und deutlich) was ihr vorher überhaupt nicht möglich war. Mit Hilfe ihrer DynaVox MT4 wird ihre sozial-emotionale und kognitive Entwicklung wirklich optimal gefördert und wir sind daher sehr froh, dass sie sie hat.

Um so erfreulicher wäre es natürlich, wenn sich diese Form der unterstützten Kommunikation und den damit verbundenen unterschiedlichen Geräten noch mehr verbreiten würde. Sicher gibt es noch viele Menschen, auch und vor allem Kinder in ihrem Alter oder älter, die ähnlich gestrickte Probleme haben. Daher wäre es doch toll, wenn hier noch mehr Kontakte geknüpft werden könnten. Sei es durch Absprachen, Treffen, Foren o.ä., wo man sich austauschen könnte.

Haben Sie Interesse, sich mit Leonies Eltern auszutauschen? Schreiben Sie eine E-Mail an anwender@rehavista.de mit Betreff “Elternnetzwerk”,wir vermitteln den Kontakt gern weiter.



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