Olivers Weg mit UK
Oliver ist Rollstuhl-Rugby-League-Spieler, Geschichtsabsolvent, LGBTQIA+-Aktivist und UK-Nutzer. Vor allem ist er eine Persönlichkeit mit klarer Identität und starker Stimme. Er lebt in Großbritannien und kommuniziert vollständig über Unterstützte Kommunikation – ein Weg, den er sich mutig und selbstbestimmt erarbeitet hat.
Als asexueller, nicht-binärer Transmann spricht er online offen über Behinderung, Kommunikation, mentale Gesundheit und Inklusion. Er ist autistisch und lebt mit Tourette-Syndrom sowie einer schizoaffektiven Störung (bipolarer Typ). Seit Kurzem nutzt er sein Grid Pad 13 mit der Evo-Augensteuerung.
In diesem Interview berichtet Oliver von seinem Weg mit UK, seine Erfahrungen mit einer Augensteuerung und der Software Grid sowie darüber, welche Rolle Kommunikation und Gemeinschaft in seinem Leben gespielt haben.
Können Sie uns etwas über Ihren Weg der Kommunikation erzählen und was Sie zur UK geführt hat?
Ich hatte so lange ich denken kann, Schwierigkeiten mit verbaler Sprache und habe es bevorzugt, Dinge aufzuschreiben. Als ich jünger war, hatte ich selektiven/situativen Mutismus. (Das bedeutet, dass eine Person in bestimmten Situationen oder mit bestimmten Menschen nicht sprechen kann, obwohl es grundsätzlich körperlich möglich wäre. Dies hängt oft mit Angst oder Überforderung zusammen.)
Als meine Tics stärker wurden und mich mehr beeinträchtigten, hatte ich immer häufiger Phasen ohne jegliche willentliche Sprache. Als sich das weiterentwickelte, begann ich, mich mit UK zu beschäftigen. Ich wusste zunächst gar nicht, was Unterstützte Kommunikation ist, bis ich in sozialen Medien offen über meine verschiedenen Sprachprobleme gesprochen habe – dadurch hat sich mir die Welt von UK eröffnet.
Heute nutze ich UK auch aufgrund meines Autismus und des schizophrenen Anteils meiner schizoaffektiven Störung ständig.
Wie hat sich Ihr Zugang zu UK im Laufe der Zeit verändert?
Als ich anfing, elektronische UK-Hifsmittel zu nutzen, habe ich per Touch getippt – das war noch, als ich diese Kommunikationsform nicht jederzeit genutzt habe.
Seit etwa 2020 nutze ich UK durchgehend. Das bedeutete, dass ich ständig tippen musste, und zusammen mit den chronischen Schmerzen durch mein Tourette führte das zu starken Schmerzen durch das Tippen und die Tics. Deshalb habe ich meine Kommunikation teilweise reduziert.
Ich begann erstmals mit einer Augensteuerung, als ich über die Förderung für Studierende mit Behinderung ein entsprechendes Gerät für die Universität bekam. Das nutzte ich
fürs Studium und zum Schreiben von Essays.
Als ich meine Kommunikation wegen der Schmerzen einschränkte, wurde festgestellt, dass ich ein Grid Pad mit Augensteuerung nutzen sollte. Davor hatte ich das Grid Pad 10s per Touch genutzt. Heute greife ich hauptsächlich über Augensteuerung auf mein Gerät zu, kann es aber noch minimal per Touch ansteuern.
UK ist ein wichtiger Bestandteil meines Alltags, aber oft sind es die kleinen Dinge, die dadurch möglich wurden. Ich kann jetzt im Restaurant bestellen. Ich bin generell gesprächiger. Was ich sage, ist für andere verständlicher. Ja, es ist frustrierend, wenn ich ignoriert werde – aber ich bevorzuge die Kommunikation über UK deutlich.
Es sind genau diese scheinbar kleinen Dinge, die echte Teilhabe bedeuten.
Wie sind Ihre Erfahrungen mit Grid?
Ich habe mein erstes Grid-Gerät, das Grid Pad 10s, vor einigen Jahren bekommen, und seit Kurzem habe ich das Grid Pad 13.
Zu den besten Funktionen für mich gehören die Aufmerksamkeitsklingel, die Funktion "Gespräche wechseln" und der zweite Bildschirm. Diese sind besonders hilfreich für die Kommunikation mit meinen Freund:innen, die alle neurodivergent sind. Für Menschen mit auditiven Verarbeitungsproblemen erleichtert der zweite Bildschirm die Kommunikation, da sie gleichzeitig lesen und hören können. So muss ich mich seltener wiederholen.
Der zweite Bildschirm (oder, wie ich ihn nenne, meine eigenen Untertitel) ist auch unterwegs sehr hilfreich, besonders in lauten Umgebungen wie Restaurants oder bei Arztterminen. Ärzt:innen und Therapeut:innen können so gleichzeitig sehen und hören, was ich sage.
Ich liebe auch, dass ich leicht zwischen geschriebenen Wörtern und symbolbasierter Kommunikation wechseln kann. Die Smart Buttons auf meinem Grid Pad sind ebenfalls sehr hilfreich. Ich habe sie so eingerichtet, dass sie mich zu Grid Explorer, zur Positionshilfe und zum Pausieren der Augensteuerung führen sowie zu festen Lautstärketasten. Besonders gefällt mir, dass man die Smart Buttons individuell anpassen kann – in Funktion, Farbe und Ton.
Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Evo-Augensteuerung?
Ich nutze die Evo-Augensteuerung seit ein paar Wochen. Sie funktioniert selbst mit meinen getönten Spezial-Brillen sehr gut. Und sie wird nicht durch meine motorischen Tics im Kopf-, Gesichts- und Nackenbereich irritiert.
Es ist erst die zweite Augensteuerung, die ich nutze. Mit der Evo konnte ich mein Grid Pad von Anfang an sehr flüssig bedienen. Natürlich hilft mir meine Erfahrung mit Augensteuerungen, aber die Benutzerfreundlichkeit und Genauigkeit von Evo übertreffen die anderen Systeme, die ich bisher verwendet habe, deutlich.
Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der neu in der UK oder im Umgang mit Augensteuerungen ist?
Finde eine UK-Lösung, die widerspiegelt, wer du bist. Am Anfang kann Unterstützte Kommunikation sehr überwältigend sein und es ist schwer zu wissen, was am besten zu einem passt. Mir hat der Austausch mit anderen UK-Nutzer:innen sehr geholfen. Sie konnten mir Apps und Geräte empfehlen, und wir konnten Tipps und Ideen teilen. Diese Gemeinschaft hat mir auch geholfen, mich weniger allein zu fühlen.
Beim Einstieg in die Augensteuerung empfehle ich, häufig und in kurzen Einheiten zu üben. Es kann anfangs körperlich und mental sehr anstrengend sein und auch frustrierend. Es dauert und erfordert viel Übung.
Ein paar Tipps:
- Übe mit einfachen Aktivitäten, die oft auf den Geräten enthalten sind.
- Achte darauf, dass deine Einstellungen und deine Position vor dem Gerät richtig sind.
- Mache regelmäßig Pausen und entspanne deine Augen – schon das Schließen der Augen für eine Minute kann helfen.