UK eröffnet Wege: "Ich kann jetzt meine Gedanken frei ausdrücken."
Was passiert, wenn Gedanken da sind, aber der Weg fehlt, sie auszudrücken? Die Geschichte von Dieter Klenke zeigt, wie Unterstützte Kommunikation Selbstbestimmung, Teilhabe und echte Mitsprache ermöglichen kann. Vom Schreiben mit Holzbuchstaben über die Schreibmaschine bis hin zum Sprachcomputer hat er sich Schritt für Schritt seinen eigenen Weg zur Kommunikation erarbeitet. Heute schreibt er mit Freude, beteiligt sich an politischen Diskussionen und informiert sich über seine große Leidenschaft Fußball. Vor allem aber kann er mit seinem Grid Pad 13 eines: seine Gedanken frei ausdrücken.
Dieter Klenke lebt und arbeitet im Umfeld der Stiftung Friedehorst in Bremen. Die Stiftung unterstützt Menschen mit Behinderungen, Pflege- oder besonderem Unterstützungsbedarf dabei, ihr Leben möglichst selbstbestimmt zu gestalten, sei es beim Wohnen, Arbeiten, Lernen oder Kommunizieren. Im Interview erzählt Dieter, warum Schreiben für ihn so wichtig ist, wie sich sein Leben durch Unterstützte Kommunikation verändert hat und was er anderen Nutzer:innen von Sprachcomputern mit auf den Weg geben möchte: Dranbleiben lohnt sich.
Dieter, erzählen Sie uns etwas über sich: Wer sind Sie und was machen Sie besonders gern?
Ich bin Dieter Klenke und ich bin 63 Jahre alt.
Es macht mir Freude, dass ich viel nachdenken kann.
Ich schreibe gerne an meinem Computer. Als ich früher in Friedehorst in der Computergruppe gearbeitet habe, war ich auch im Werkstattrat. Das fand ich gut.
Ich bin gerne draußen unterwegs. Ich gehe jede Woche zu einer Politik Gruppe und wir diskutieren über verschiedene Themen.
Außerdem bin ich großer Fußballfan. Ich schau immer im Computer nach den Ergebnissen.
Wie haben Sie als Kind schreiben gelernt? Welche Herausforderungen gab es für Sie damals?
Als erstes hat mir mein Papa Holzbuchstaben gebaut. Damit habe ich schreiben gelernt. Da war ich 11 Jahre alt. Danach habe ich die Schreibmaschine bekommen. Ich habe mit einer großen Tastatur an der Schreibmaschine geschrieben. Das war sehr anstrengend für mich, und ich war immer müde.
Wie schreiben und kommunizieren Sie heute – und was ist dadurch leichter geworden?
Ich hatte zwischenzeitlich einen Computer mit Augensteuerung. Das war zu anstrengend für mich. Jetzt schreibe ich mit dem Joystick. Das ist leicht und macht Spaß. Ich schreibe gerne, und viel.
Ich kann das hören, was ich schreibe. Der Computer sagt, welchen Buchstaben und welches Wort ich geschrieben habe. So höre ich, was ich schreibe und ob es richtig geschrieben ist.
Was hat sich in Ihrem Leben verändert, seit Sie mit dem Computer schreiben können?
Ich kann mittlerweile schreiben, was ich möchte. Ich kann jetzt meine Gedanken frei ausdrücken.
Wie fühlen Sie sich heute beim Schreiben?
Richtig gut!
Warum ist das Schreiben für Ihre Selbstständigkeit so wichtig?
Ich kann heute besser Nachrichten lesen und schreiben als früher.
Wenn ich schreibe, dann kann ich selbst entscheiden. Es entscheidet kein anderer über meinen Kopf hinweg. Das ist mir besonders wichtig. Außerdem kann ich meine Gedanken aufschreiben und sie sind nicht nur in meinem Kopf.
Was möchten Sie anderen Menschen mit auf den Weg geben, die einen Sprachcomputer nutzen?
Geht euren Weg immer weiter, ihr könnt schreiben lernen.
Zum Abschluss: Welcher Wunsch begleitet Sie bis heute?
Ich habe einen Traum von mir: Ich möchte noch einmal ein Kind sein und zur Schule gehen, aber nur mit einem Sprachcomputer. Ich weiß auch, das geht nicht mehr.
Dieter Klenkes Geschichte zeigt, wie viel mehr Unterstützte Kommunikation sein kann als ein technisches Hilfsmittel. Sie schafft Möglichkeiten, Gedanken sichtbar zu machen, Entscheidungen selbst zu treffen und am Leben teilzuhaben. Sein Weg macht Mut und erinnert daran, dass jede Stimme gehört werden sollte – unabhängig davon, wie sie sich ausdrückt.